Sharon SandersWenn aber der Sohn des Menschen in Seiner Herrlichkeit kommen wird ... dann wird er auf dem Thron Seiner Herrlichkeit sitzen, und vor Ihm werden alle Heidenvölker versammelt werden. Und Er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet.” –Matthäus 25,31 u. 32

Die Stadt des großen Königs wird eines Tages Schauplatz des prestigeträchtigsten und doch gruseligsten Anwesenheitsappells der Weltgeschichte sein. Ein bedrohlicher Tag der Abrechnung zeichnet sich langsam am Horizont ab. Sowohl die mächtigsten als auch die schwächsten Nationen werden vor den König der Könige vorgeladen werden, wenn Er auf Seinem Thron sitzt, um zu regieren. Dies ist ein düsterer Gedanke. Bei einem Anwesenheitsappell wird die Anwesenheit geprüft, indem man die Namen aufruft und die Anwesenden auf einer Liste abhakt. Der näherrückende Schicksalstag für viele Nationen kann nicht verschoben oder abgesagt werden. (Für weitere Studien: Zefanja 3,8; Hesekiel 28,26 und 39,10)

Diese Schriftstellen machen deutlich, dass die ganze Welt diesem kommenden Scheidepunkt entgegensieht, beruhend auf der Entscheidung für oder gegen Gott und Sein auserwähltes Volk. Gott wird strafend richten und die Nationen in zwei separate Kategorien aufteilen, die Er als „Schafe und Böcke“ bezeichnet (Hesekiel 34,17). Man kann sich die Spannung vorstellen, die vorherrschen wird, während alle auf ihr Urteil warten.

Der Herr setzt die Nationen mit der agrarischen Welt der Bibel gleich. Der Große Hirte, dem die Landschaft und die Farm-Gemeinschaften zu dieser Zeit bekannt waren, verstand die Eigenschaften der Schafe und Böcke. Er malte ein geistiges Bild für uns, damit wir den bevorstehenden Tag der Trennung verstehen. Die Merkmale von Schafen und Böcken zu betrachten hilft uns, ein besseres Verständnis davon zu bekommen, wie man die biblischen Metaphern anwendet. Schafe folgen normalerweise dem Hirten; Böcke jedoch gehen oft ihren eigenen Weg. Wegen der unabhängigen Natur von Böcken geraten sie leicht in Auseinandersetzungen mit dem Hirten; Zäune, die Schafe aufhalten, halten nicht unbedingt auch Böcke auf.

Als mein Mann und ich 1985 nach Israel zogen, lebten wir in einer Israelischen Kommune namens Mevasseret Zion. Israels Landschaft ist mit seinen endlosen Hügeln, Tälern und saftigen grünen Feldern sehr malerisch. Damals spazierten wir immer in den nahegelegenen Hügeln und sahen den Schafen und Böcken beim friedlichen Grasen zu. Gegen Abend teilten die Schafhirten die Herde in schwarze Böcke, die Schutz vor der Kälte brauchten und Schafe, die durch ihr Wollfell geschützt waren, auf. Diese Teilung war üblich. In den Tagen des globalen Anwesenheitsappells wird der Herr, in gleicher symbolischer Art und Weise, die Schaf-Nationen (jene, die gerecht handelten) von den Bock-Nationen (jene, die rebellierten und böse Taten verübten) trennen. Nach dieser künftigen Trennung wird eine unüberwindbare Kluft zwischen den beiden Gruppen geschlagen werden. Diese Teilung wird unanfechtbar sein. Es wird eine Zeit sein, in der der Herr regiert. Weder moralischer Relativismus, Säkularismus noch Humanismus wird an dem Tag bestehen.

Eine große Unterteilung

Jesus sprach oft in Parabeln, wenn er die Menschen lehrte. Anstatt zu sagen, dass Er die guten von den bösen Menschen trennen wird, beschrieb er es als Trennung von Schafen und Böcken. Wir, als Seine Nachfolger, wollen nicht urteilend sein und neigen dazu, den letzten Teil des Verses, in dem der König die auf Seiner Linken verflucht, zu ignorieren. Vielleicht liegt das daran, dass wir Jesus nicht gerne als richtend betrachten. Wenn wir allerdings mit uns selbst und dem Text ehrlich sind, werden wir die Realität der Passage verstehen. Nationen werden weder in der Lage sein mit irdischen Besitztümern zu handeln, noch mit nationaler Überlegenheit angeben können, da dies keinen Unterschied machen wird. Die Schaf-Nationen widerspiegeln Seinen Charakter und haben dies im Laufe ihres Daseins gelebt. Die Bock-Nationen haben dies nicht getan. Die Unterteilung beruht auf Taten der Freundlichkeit und Barmherzigkeit. Der König heißt die Gerechten zu ihrem Erbteil, aufgrund ihres selbstlosen und barmherzigen Dienstes, willkommen. Er identifiziert solche Wohltaten, als wären sie an Ihm verrichtet worden.

Die Lektion, die uns dabei gelehrt wird ist, dass es nicht um uns geht. Es geht um Ihn. Unseren Nächsten zu lieben und im Dienst an Anderen Gutes zu tun ist eine Frucht, die daraus kommt, dass man den Meister kennt. Wir können uns bildlich vorstellen, wie der König der Könige auf Seinem Thron sitzt und die Nationen vor Ihm stehen. Sein Urteil bestimmt, wer ein Erbe Seines Königreiches sein darf und wer nicht. Der König wird Sein Urteil auf der Basis fällen, wie wir Seine „Brüder“ behandeln.

Der Begriff „Meine Brüder“

“Dann werden Ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir Dich hungrig gesehen und haben Dich gespeist, oder durstig, und haben Dir zu trinken gegeben? Wann haben wir Dich als Fremdling gesehen und haben Dich beherbergt, oder ohne Kleidung, und haben Dich bekleidet? Wann haben wir Dich krank gesehen, oder im Gefängnis, und sind zu Dir gekommen? Und der König wird ihnen antworten, ... Was ihr einem dieser Meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr Mir getan!’” (Matthäus 25,37-40).

Es ist wertvoll, ein Verständnis dessen zu haben, was Jesus mit dem Ausdruck „Meine Brüder“ meint. In der griechischen Übersetzung heißt es Brüder, während in der neuen revidierten Fassung der Ausdruck mit „Mitglieder meiner Familie“ übersetzt wird. In der „Vollständigen Jüdischen Bibel“ wird dies übersetzt mit „diese Meine Brüder“. In einer anderen Version heißt es „Brüder vom Mutterleib an“. Ein Bruder kann jemand sein, der die selben natürlichen Vorfahren hat, dem selben Volk angehört, ein Landsmann oder ein Mitgläubiger ist. Diese „Brüder“ in der Passage hatten sicherlich persönliche Bedürfnisse. Man soll definitiv über die Worte „Meine Brüder“ und über den deutlichen Ruf „Täter“ des Wortes zu sein (Jakobus 1,22) reflektieren. Der zeitliche Kontext ist ebenfalls wichtig. Zu der Zeit spricht Jesus zu Seinen jüdischen Jüngern; jedoch beschreiben nur wenige christliche Autoren jemals das jüdische Volk als die „Brüder“, von denen in Apostelgeschichte 2,29, 3,22 und 13,38 gesprochen wird. Allerdings wissen wir, dass Jesus, wie auch Paulus, sich sehr eng mit Seinem jüdischen Volk identifiziert hat, ob sie nun an Ihn geglaubt haben oder nicht (siehe Römer 9,3, Matthäus 28,10).

Wenn man die Welt im Großen und Ganzen betrachtet, haben die meisten Nationen den Gott Israels vergessen. Sie sind „anderen Göttern“ nachgefolgt (Buddhismus, Kommunismus, Muhammadanismus, Humanismus, Materialismus). Es scheint so, als wäre es ihr Wunsch, Gottes Namen von der Erde zu vertilgen. Durch Hass gegen das jüdische Volk schlägt die Welt gegen Gott aus, weil es immer noch Gottes Gesetz gegenüber einer gottlosen Welt repräsentiert. Heute drohen „bockartige“ Nationen damit, den jüdischen Staat zu vernichten. Jedoch ist das Gericht über jeden, der gegen das jüdische Volk steht, im ganzen Wort Gottes ein Thema. (siehe mein Büchlein „Ein Prinzip und ein Versprechen“) Durch das jüdische Volk hat die Welt den Erlösungsplan erhalten. Männer und Frauen aus jeder Nation haben den Gott Israels und Seinen Messias/Sohn kennen gelernt. Durch die Hand jüdischer Männer, vom Heiligen Geist inspiriert, haben wir die Schrift erhalten. Ein jüdischer Mutterleib hat Jesus ausgetragen und geboren. Zärtlich stand eine jüdische Mutter am Kreuz und sah ihren Sohn. Und liebevoll wurde Jesus ein jüdisches Begräbnis gegeben. Prophetisch haben jüdische Propheten Sein Kommen vorhergesagt und selbstaufopfernd haben jüdische Apostel Seine Botschaft in die Welt hinaus getragen.
Wenn wir die Geschichte studieren, sehen wir, dass einige Nationen aufgrund ihrer Behandlung der Juden bereits ihr Gericht erhalten haben. Sie sind aufgestiegen und gefallen. Daher macht es Sinn, dass die Nationen eines Tages wieder aufgrund ihrer Behandlung Seiner Brüder, den Juden, gerichtet werden. Der Zorn des Herrn auf die Nationen ist wegen dem „Streit um Zion“ (Jeremia 25,31).

Erkennst du mich nicht?

Durch den Holocaust lernt man über Schafe und Böcke. Ich las eine Geschichte über einen jüdischen Jungen, der in einem polnischen Dorf lebte. Er und andere Juden aus der Umgebung wurden von Nazi SS Truppen zusammengetrieben und zum Tode verurteilt. Dieser jüdische Junge schloss sich seinen Nachbarn an, eine Grube für ihr eigenes Grab zu graben. Zusammen mit seinen Eltern stand dieser Junge vor dem Exekutionskommando, als sie mit Maschinengewehrkugeln beschossen wurden. Körper fielen in die Grube hinein und das Blut seiner Eltern bedeckte ihn. Als sie in die Grube hineinfielen, täuschte er vor, tot zu sein und fiel auf sie drauf.

Als die Dunkelheit hereinbrach, krallte er sich aus dem Grab heraus. Dieses Kind, mit Blut und Dreck beschmiert, machte sich zum nächstgelegenen Haus auf und bettelte um Hilfe. Weil sie ihn als einen jüdischen Jungen, der zum Tode verurteilt war, erkannten, schickte ihn ein Haus nach dem anderen (im „christlichen“ Europa) fort, aus Angst vor den SS Truppen. Als sich eine Tür vor ihm zu schließen begann, sagte der Junge etwas Ungewöhnliches für einen Juden. Er schrie: „Erkennst du mich nicht, ich bin der Jesus, den ihr vorgebt zu lieben.“ Nach einer ergreifenden Pause zog ihn die Frau des Hauses in ihre Arme. Von diesem Tag an sorgten sich die Familienmitglieder um ihn und liebten diesen jüdischen Jungen wie ihren eigenen. Der große Richter der ganzen Welt wird eines Tages zu solchen Menschen, wie dieser barmherzigen Frau, sagen, „wahrlich ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr Mir getan“ (Matthäus 25,40).

Es gibt viele unbesungene christliche Helden, die nie in den Geschichtsbüchern aufgezeichnet wurden: denken wir jedoch an Raoul Wallenberg aus Schweden, Orde Wingate und William Heckler aus England, Corrie Ten-Boom aus Holland und Dietrich Bonhoeffer aus Deutschland. Diese bibelgläubigen Freunde Israels repräsentieren ihre Länder als Schaf-Nationen. Sie sahen die Not des jüdischen Volkes und lebten ihr Leben gemäß den Geboten Gottes. Gerechtes Gericht wird für alle Völker, einschließlich des jüdischen Heimatlandes, ausgeteilt werden, doch es ist Gottes Recht, Sein Volk zu richten und nicht das der Nationen. Unser Stand mit Israel ist eine ernste Sache. Das Schicksal ganzer Nationen steht auf der Kippe.

Es gibt eine Frage, die betrachtet werden muss: „Gibt es Teile der Kirche, die auch auf der Kippe stehen?“ Nach dem Tod der jüdischen Jünger begann die nichtjüdische Kirche sich selbst als das „neue Israel“ zu verstehen. Kirchenväter haben mit der These, dass Israel durch die Kirche ersetzt wurde, falscher Lehre die Bahn bereitet. Rasch schlich sich Antisemitismus unter die Reihen der Bibelinterpreten ein. Unangebrachte Interpretationen der Schrift bekräftigten die Ersatztheologie, was in direktem Widerspruch zur Warnung Paulus’ an uns steht: “so überhebe dich nicht gegen die Zweige! ... Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzle trägt dich! ... Die Zweige sind ausgebrochen worden ... Sei nicht hochmütig, ... Denn wenn Gott die natürlichen Zweige nicht verschont hat, könnte es sonst geschehen, dass Er auch dich nicht verschont” (Römer 11,18-20+22).

Zu den oben genannten Schriftstellen gibt es nur wenige erklärende Predigten. Als Folge davon, weil wir es versäumt haben, vom Pult aus über dieses Thema zu lehren, hat das jüdische Volk tragisch unter der Hand der christlichen Nationen gelitten. (z. B. Verfolgungen, erzwungene Bekehrungen, Vertreibungen, Inquisitionen, Kreuzzüge und Massenabschlachtungen). Viele Bock-Taten wurden in dem Brutkasten historischen Christentums geboren. Ein ernstes Gebot kommt aus den eigenen Worten Jesu im Neuen Testament: „... Geht hinweg von Mir, ... Denn Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt Mich nicht gespeist...„ (Matthäus 25,41-42). Christen haben eine Verantwortung, mit Israel zu stehen, auch wenn alle Nationen gegen sie gerichtet sind (Zacharias 12,3).

Wir ernten, was wir säen

Als Josua sich dem Ende seines Lebens nahte, sammelte er die Schafe des Hauses Israels bei Shechem zusammen. Von den Lippen eines Mannes, der dem Tode nahe war, kam ein Appell, der durch die Jahrhunderte hindurch viele Herzen bewegt hat. Er sagte: „Wählt für euch selbst an diesem Tage, wem ihr dienen werdet“ (siehe Josua 24,1-15). Diese Herausforderung, in Anbetracht der israel-feindlichen Einstellung der Welt, lässt einen zum Schluss kommen, dass alle eine Entscheidung treffen werden müssen. Regierungen mögen oder mögen nicht mit Israel stehen, doch als Kirche und als Individuen können wir mit Israel stehen. Der „Streit um Zion“ ist für den Herrn ein wichtiges Thema (Joel 4,1-3) und Gericht ist unvermeidlich (Jesaja 3,11). Wir sind dankbar, dass viele Nationen durch die Mitarbeiter von CFI in Jerusalem repräsentiert werden – Australien, Bulgarien, England, Frankreich, Deutschland, Holland, Israel, Neuseeland, Südafrika, Schweiz und die USA. Indem sie dem Herrn und Seinem Volk dienen, sind sie ein Segen im Interesse ihrer Nationen.

Während ein mächtiger Kampf zwischen Gut und Böse wütet, werden US- und Britische Soldaten in Afghanistan und Irak von Muslimen getötet. In Israel töten Muslime Israelis und in Europa töten sie Europäer. Eine Religion, die als „friedlich“ bezeichnet wird, verkündet, dass alle anderen, die nicht mit ihrer religiösen Einstellung übereinstimmen, zerstört werden müssen. Diese Religion des Totenkults belohnt ihre Anführer für das Böse, das sie in die Weltarena der Nationen hineinbringen. Sie sind die Bock-Nationen, die nicht ohne einen Kampf aufgeben werden.

Es scheint so, als stünde ein strenger Winter bevor. Mögen die Schafe beten, dass sich die Bock-Nationen Gott zuwenden, bevor es zu spät ist. Auch wenn Wölfe umher sind, unser Gott schläft noch schlummert nicht. Nichts geschieht ohne Gottes Wissen. Mögen wir, die Schafe seiner Weide, Ihm nahe folgen und Seinen Grundsätzen gehorchen, damit, wenn der Anwesenheitsappell kommt, wir unter denjenigen gefunden werden, die die richtigen Entscheidungen getroffen haben!

 

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